Jetzt im Kino: SUPERGIRL

Die schlechte Nachricht zuerst: So schön wird es nie mehr werden mit dieser Figur!
Damit ist die schlechte zugleich die gute Nachricht: SUPERGIRL ist wundervoll, präsentiert Millie Alcock als spannenden Charakter, etabliert Kara Zor-El in unseren Herzen – und wird diese nur 108 Minuten Film mit keiner Fortsetzung mehr toppen können.

Die australische Schauspielerin (bekannt aus „House of the Dragon“) verkörpert eine überzeugende Mischung aus Verloren- und Entschlossenheit.

Kara ist Supermans Cousine und wir erleben sie bei einer Kneipentour zu ihrem 23. Geburtstag. Sie trinkt zu viel, sie weiß nicht wohin im Leben, sie hat ihre Rolle als überlebende Kryptonierin noch nicht gefunden.

Sie trifft auf Ruthye Knoll (gespielt von Eve Ridley), die ihre Eltern rächen möchte. Der Weltraumbandit Krem (Anführer einer Bande von Briganten) hat sie kaltblütig umgebracht und bringt sowieso viel Leid in etliche Ecken des Universums.

Millie Alcock als Kara und Eve Ridley als Ruthye, © DC Studios / Warner Brothers

Krem (vom Niederländer Matthias Schoenaerts dargestellt) ist ein echter Drecksack, der auch nicht davor zurückschreckt, Karas Hund Krypto mit einem Giftpfeil zu verwunden.

By the way: Die Briganten kamen mir sehr, sehr russisch vor! Gut, Nieten, Leder und Tattoos haben alle Bösewichter, aber der Akzent von Oberfiesling Krem klingt definitiv osteuropäisch

Hund mit Hauptrolle

Erneut kommt das Supermenschengeschäft nicht ohne Tierliebe aus. Krypto wird zur Triebfeder der Handlung, denn Kara muss Krem in 72 Stunden ein Gegengift entreißen – oder dieser Hund stirbt!

Millie Alcock als Kara und Krypto, © DC Studios / Warner Brothers

Klägliche Prämisse, aber eine bessere ist noch niemandem eingefallen. Die tut’s einfach. Und wir haben ja den Rache-Plot obendrauf, geht auch immer.

Hätten wir jetzt noch was mit „Person sucht ihren Platz in der Gesellschaft“, dann … hoppla, Spoiler! Was ich sagen will: Dieser DC-Film ist übrigens mehr Weltraumwestern als Superheldenfilm.

Das findet meinen Applaus, denn woran SUPERMAN von James Gunn krankte, war die handelsübliche Überkomplexität von Superschurken und Supertypenteams und Superdimensionsgedöns, wo doch am Ende ein Hündchen für Identifikation sorgen musste.

Also klappert das ungleiche Paar Kara und Ruthye ein paar skurrile Locations ab und macht zwischendrin Bekanntschaft mit Lobo, der ebenfalls hinter den mörderischen Briganten her ist.

Supergirl hat zwar enorme Kräfte, aber ist immer wieder gehandicapt durch Kryptonitvergiftungen oder das Licht von roten und grünen Sonnen. Daher kann sie nicht alles alleine stemmen, sondern braucht die Unterstützung von Lobo und Ruthye.

Wer hat’s erfunden?

Ich kann keinen Credit für ihn entdecken, aber Drehbuchautorin Ana Nogueira folgt eng dem Comicskript von Tom King für seine Miniserie SUPERGIRL – WOMAN OF TOMORROW (der wiederum das Westerndrehbuch für „True Grit“ adaptiert hatte), alles dazu unter meiner Analyse des Comics.

Nogueira entschlackt dabei Kings Exkurse, schärft andere Aspekte, gibt Raum für fröhliche Action (sehr hübsch ist der „Postkutschenüberfall“, in dem drei Technopiratinnen die Reisenden mit ihren Laser-Taser-Robotspinnen belästigen) und erweitert Karas bewegende Origin Story um ein Wiedersehen mit Cousin Kal-El.

Ich hatte Angst, dass man Lobo alle Drecksarbeit zuschustert, um Kara als Heldin glänzen zu lassen. Das passiert zum Glück nicht, sehr gut!

Jason Momoa als Lobo, © DC Studios / Warner Brothers

Jason Momoa als Lobo bleibt Nebenrolle und für mich die einzige Enttäuschung des Films: Als galaktisches Schwergewicht macht er nicht viel Eindruck, Kostüm und Make-up der Figur wirken verwaschen und billig, sein Weltraum-Bike ist schäbig und verbal haben sie ihn nicht die Spur getroffen.
Da ist LOBO, der Comic, aber eine ganz andere Nummer:

Momoas Auftritt als zynischer Kopfgeldjäger hätte für meinen Geschmack spektakulärer aussehen dürfen und derber ausfallen müssen – aber das verhindern wahrscheinlich DCs Hollywood-Franchise-Regularien.

Großen Spaß hatte ich an allen Alien-Kreaturen, die kreativ und originell gestaltet sind. Wieder kann man es nicht lassen, mit diesem Personal die legendäre „Cantina-Sequenz“ aus dem „Krieg der Sterne“ zu referenzieren. Ich freu mich trotzdem dran.

Merke: Ohne „Star Wars“ keine Ausflüge in extraterrestrische Spelunken!

Superfazit

Ein wenig lästig sind die langgezogenen Schlachtenszenen gegen die Briganten, die nur noch zeigen, was die Effektindustrie so draufhat. Wen interessiert das eigentlich noch?!

Umso schöner, dass der Kern des Film ein simpler ist: Zwei Frauen begegnen sich, müssen miteinander klarkommen und wachsen letzen Endes aneinander: Kara und Ruthye gehen selbstsicher in ihr weiteres Leben.
(Von dem ich glaube, es würde mich nicht mehr in dem Maße interessieren, weil eben alles Wichtige gesagt ist.)

Weitere Infos finden Sie unter den obigen Links und natürlich bei dem Filmclips auf YouTube. Dieser „finale deutsche Trailerkapriziert sich auf die Action, kontrastierend untermalt mit Discomusik (wieder mal Kappes, so ist der Film nicht).

Viel richtiger gibt den Spirit des Werks dieser völlig andere deutsche Trailer wieder:

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