Wir sind zurück im Berlin des Jahres 2099 und bekommen mit diesem zweiten Band tüchtig Worldbuilding geliefert!
Wieder hat Polizeichefin Eva einen Auftrag für ihren Privatermittler Sascha Jäger: Der soll sich diesmal vor die Grenzen der Stadt begeben und dort einen Terroranschlag untersuchen.
Wahrscheinlich haben Umweltaktivisten Baugerät sabotiert, um der Zerstörung der Natur Einhalt zu gebieten. Denn die Außenbezirke von Berlin wachsen immer weiter, um dort die vielen Flüchtlinge aus dem Mittelmeerraum unterbringen zu können.
Berlin selber schottet sich ab, als Insel der Wohlhabenden, doch irgendwohin müssen die Menschen schließlich. Eva erklärt Sascha die Sachlage:


Also begibt sich Sascha auf eine der Baustellen im Umland. Getarnt als Schweißer soll er undercover nach Spuren suchen.
Metapsy, die Droge der Zukunft, ermöglicht es allen Personen, in eine gewählte Rolle zu schlüpfen, indem sie die betreffenden Fähigkeiten ins Gehirn programmiert.
(Das ist ja toll, ich wollte auch immer Schweißer werden.)

Im Debüt-Abenteuer haben wir uns in der Stadt bewegt, die Sitten der Zukunft kennengelernt und sind ersten Figuren begegnet: Saschas Freundin Alif, der Fahrradkurierin Martha Müller, dem Bezirkspolizisten Horst und seiner dauerdefekten Androidenkollegin Wanda.
Die kommen alle wieder vor, was großartig ist, hinzu treten der Vorarbeiter Hans, der Drogensüchtige Lucian, eine coole Ärztin und die Security-Aufräumer Jacques und Louise.
Alles Typen, die Römling markant und unterhaltsam gestaltet. Seine Charaktere sind immer ein Hingucker.
Hier tauscht Sascha Informationen mit Horst aus und entdeckt seine Nachbarin Martha unter den Umweltschützern, die in der Nähe der Baustelle leben.

Martha ist nicht nur Fahrradbotin, sondern hat Drähte zum Geheimdienst (was wir in diesem Abenteuer aber nur angedeutet bekommen, das wird sich im nächsten Band herauskristallisieren).
In diesem Außeneinsatz wird sie Sascha bei seinen Nachforschungen unterstützen, die sehr bald mit dem jungen Drogensüchtigen Lucian zu tun haben.
Der kommt von mehreren Metapsy-Trips nicht mehr runter und ist ständig auf der Suche nach Stoff, hat aber den Anschlag auf den „Titan“-Bagger gesehen und ist damit wertvoller Augenzeuge.

Damit beginnt Jägers Jagd auf Lucian, den er nach Berlin überführen muss, wo er seine Aussage machen soll.
Leider sind noch andere Parteien hinter dem Zeugen her, der mundtot gemacht werden soll.
Und dies ist das Zusammentreffen von Sascha und Martha mit Jacques und Louise: Die Agenten eines privaten Sicherheitsdienstes möchten Lucian ausschalten, doch Sascha kommt ihnen in die Quere und kann die beiden Häscher durch die Zündung eines Brandsatzes aufhalten:


Tatsächlich kann Sascha als Erster an Lucian herankommen und beginnt den beschwerlichen Rückweg in die Hauptstadt.
Dabei treffen sie auf ein Trio von Geflüchteten, die ihren Schlepper verloren haben. Gemeinsam schlägt sich die Gruppe durch die wilde Natur rund um Berlin, was für wohligen postapokalyptischen Grusel sorgt.
Zumal der giftgelbe Himmel so schick aussieht.

Bau mir eine Welt
Festhalten möchte ich, dass METROPOLIA – DIE AUSSENBEZIRKE auf Seite 40 (von 56) das Thema wechselt. Es geht nun nicht mehr um den Terroranschlag, sondern um die Backstory dieser Zukunft.
Da darf ich nicht viel verraten, aber der Marsch zurück nach Berlin wird zur Reise in die Vergangenheit, auf der wir erfahren, wie dieses neue Berlin sich verstanden und gegründet hat – nämlich mit enormen Opfern.
Am Ende kommt es zu einem Showdown zwischen allen Beteiligten und zur Aufklärung des ursprünglichen Sabotageaktes.
Der ganze Band kommt mit erstaunlich wenig Action aus, METROPOLIA ist kein Haudrauf-Endzeitthriller. Und das Tollste ist, dass es uns nicht auffällt, weil Zeichner Ingo Römling so berückend schön illustriert.
In meinen Augen ist Römling absolut Weltklasse und hat seine Landschaften, Architekturen, Menschen, Stimmungen, Perspektiven, Kolorierungen und Lichtsetzungen im Griff wie kaum jemand sonst auf diesem Planeten oder in dieser Zeitlinie.
(2099 isses wahrscheinlich Standard, kicher.)

Gibt es in den Außenbezirken auch Kritik?
Ich finde, die Figur des Zeugen Lucian bleibt blass. Der ist einfach ein relativ passiver Junkie, der komplett durch den Wind ist und alle drei Sekunden die Persönlichkeit wechselt.
Müsste nicht jeder Anwalt dieser Zukunft Lucians Glaubwürdigkeit in ebenfalls drei Sekunden zerpflücken können?!

Mir ist unverständlich, weshalb man diese Rolle keiner Person auf der Flucht gegeben hat.
Da hätte man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: Eine illegale Immigrantin hätte dem Plot greifbare Lebendigkeit verliehen, das Schicksal der getöteten Menschen vertieft und sogar Motivation zur Kooperation geliefert.
Gut, als Junkie kennt Lucian die Drogenschmuggelpfade nach Berlin und führt Sascha in die unterirdischen Tunnel – so hat er eine Funktion erfüllt, ginge aber auch anders.

METROPOLIAs Autor Fred Duval will generell nicht zu fantastisch werden. Wir befinden uns zwar 70 Jahre in der Zukunft, aber die Funktionsweisen der Gesellschaft sind im Grunde dieselben geblieben.
Duvals Themen sind deutlich näher an der Gegenwart. Es gibt feste Hierarchien, Polizei und Geheimdienste, einen geregelten Alltag, Normen (die nicht in Frage gestellt werden), oben und unten, arm und reich, Wirtschaftsinteressen und eben nirgendwo Revolution.
Das könnte auch Berlin 2029 sein – abgesehen von Metapsy!
Diese Schere aus futuristischem Look und eigentlich unserer Gegenwart ist, was mich an dieser Serie reizt. So normal war Science Fiction selten.
Keine Raumschiffe, kein Beamen, keine Aliens, keine Formwandlungen, keine Superwaffen, keine anderen Dimensionen oder Parallelwelten und auch keine perfekten Androiden (der eine ist ja dauernd defekt).
METROPOLIA findet mein Interesse, weil es nachvollziehbar ist.
Vollziehen Sie in Ruhe mein Reel auf Instagram nach und informieren Sie sich auf der Splitter-Homepage über die Serie und ihre Schöpfer.