Hurra, endlich mal ein Banküberfall, der reibungslos klappt!
Phil Andrews, Benny Weiss, George Uhl und Titelfigur Parker berauben eine National and Savings-Bank um 33.000 Dollar und entkommen ungehindert.
Sie beziehen ein Versteck in einer alten Scheune und machen sich daran, die Beute aufzuteilen.
Dann beginnen die Probleme, denn Uhl (der den Fluchtwagen gefahren hat) erweist sich als Kameradenschwein und möchte die Kohle ganz für sich alleine.
Es fallen Schüsse, Dinge explodieren und nur Parker gelingt die Flucht aus dieser Falle.

© für alle Abbildungen: Headline, Kieran / schreiber&leser
Für eine Handvoll Dollar?
Man stutzt über die vermeintlich mickrige Summe von 33.000 Dollar. Was einem heute wie Peanuts vorkommt, war zur Handlungszeit (1969) beträchtlich mehr wert … ich vermute mal einen aktuellen Gegenwert von ca. 100.000 Dollar – die würden Sie auch nicht liegenlassen.
Parker ist kein Typ, der Betrug auf sich sitzen lässt. Also bringt er sich erst mal in Sicherheit, organisiert sich eine neue Identität, neue Bewaffnung und einen austauschbaren Unterschlupf.
Dann beginnt er, in der Unterwelt zu recherchieren, ob jemand zuvor schon mit dem Verräter Uhl zu tun hatte.

Auf diese Weise erfährt Parker die Namen von Uhls Bekannten und zieht los, ihnen allen auf den Zahn zu fühlen.
Diese Begegnungen mit neuen Figuren sind alle liebevoll inszeniert und demonstrieren uns, wie Parker tickt: Mal ist er höflich (meistens nicht), mal ist er frech, mal ist er unangenehm direkt und ungeduldig:

Doch immer wieder wird Parker frustriert, denn Spuren laufen ins Leere, Informanten lassen ihn hängen, schlimmer noch: Seine Nachforschungen rufen andere Gangster auf den Plan, die sich bedroht fühlen oder selber ein Stück vom Beutekuchen wollen.
In der Folge wird Parker aufgemischt, unter Drogen gesetzt, belästigt und ausgeraubt. All das verbessert nicht gerade seine Laune!
Langsam aber kommt er der Person Uhl näher und näher. Eine abgelegte Freundin hat noch eine Rechnung mit ihm offen, ein alter Freund muss das Geld für ihn verstecken, ein verschlagener Kompagnon schaltet sich ein und möchte Parker zuvorkommen.
Zudem überlebt Parker ein erneutes Attentat durch Uhl, in einem Extrakapitel hier aus Sicht des Bösewichts beschrieben:

Koch mich weich, koch mich hart
EINE FALLE FÜR PARKER ist ein Krimi, der von seiner Atmosphäre lebt und der nervösen Taktung der Bildfolgen.
In klassischem Hardboiled-Stakkato wechseln wir von Szene zu Szene, von Dialog zu Dialog, von Schlagabtausch zu Schlagabtausch.
Worum es da geht, ist immer nur Geld und Stolz und persönliche Rachegelüste.
Das alles könnte langweilig sein, aber was die Chose definitiv attraktiv macht, ist Kierans umwerfendes Artwork.
Da pflichte ich dem Kollegen „Panelwalker“ bei, der in seiner Besprechung der Meinung ist, sein Stil sei beeindruckend und treffe hervorragend die Stimmung des Plots.
Absolut. Kierans dicht getaktete Bilderfolgen, seine kreativen Layouts sowie seine kräftigen Hell-Dunkel-Kontraste fangen mich augenblicklich ein – und entlassen mich nicht mehr aus der Lektüre.

Sein Tick mit den ins Bild integrierten Fingerabdrücken finde ich persönlich selbstverliebt und prätentiös auf der Meta-Ebene, doch ich konnte meine Aversion dagegen ausblenden.

Übrigens bin ich mir sicher, dass Kieran auf den klassischen PARKER-Comicadaptionen von Darwyn Cooke aufsetzt, die mit ihrem monochromen Look und dem Sixties-Retro-Stil die grafische Umsetzung der Serie geprägt haben.
Und wie ich’s eben überprüfe, muss ich sagen, er macht Cooke nach!
Was ich keinesfalls als Vorwurf meine, Cooke war ein Magier, und dass Kieran ihn simulieren kann, dabei aber auch eigenständig bleibt, ist große Klasse.
Mucho Macho
Eine Warnung muss ich aussprechen: Es gibt fiese Gewalt gegen Frauen, auch sexueller Natur. Die wird zum Glück nicht explizit ausgestellt, ist aber deutlich vorhanden.
Das müssen wir dem Autoren der „Parker“-Reihe anlasten. Donald E. Westlake (alias Richard Stark) schrieb seine Krimis in den 1960er-Jahren, da war so etwas leider Zeitgeist und die „Zweite Welle“ des Feminismus nahm gerade erst Anlauf.
Ich bin kein Krimifachmann, aber es gibt ein ganzes Nest von solchen Autoren, die nach dem Zweiten Weltkrieg diese rotzigen, lakonischen, brutalen, eiskalten und berechnenden Typen zu (Anti-)Helden stilisieren.

Wenn das Ihr Ding ist, dürfen Sie sich in Ruhe beim Verlag schreiber&leser umschauen. Dort ist nicht nur EINE FALLE FÜR PARKER erschienen, sondern auch die erwähnten PARKER-Comics von Darwyn Cooke, und zwar in zwei schönen Sammelausgaben.
Falls es Sie nach mehr Hardboiled-Krimifutter verlangt, machen Sie doch gleich dort weiter. Autor Doug Headline hat mit dem Zeichner Max Cabanes im gleichen Duktus vier französische Krimis aus den Siebzigerjahren realisiert.
Und ein weiterer davon ist ins Programm von Splitter abgewandert: NADA.
Alle diese Werke sind stylishe Höhepunkte der Krimicomics generell, aber alle sind auch schwer unterkühlt und keine Feelgood-Lektüre.
Für mein Reel auf Instagram brauchen Sie sich jedoch nicht warm anzuziehen.