Andreas Butzbach gehört zu den deutschen Talenten, die man erst mal finden muss.
Seine stylishen Comics, die eine Fusion von Mike Mignola und Eduardo Risso repräsentieren, erscheinen nicht in den großen Häusern.
Die Fangemeinde der Weissblech-Comics allerdings hat ihn längst im Magazin HORRORSCHOCKER wahrgenommen. Mittlerweile ist Butzbach auch in FANTASY 3000 vertreten, wo BIG-ASS SWORD auf Deutsch in einzelnen Episoden erschienen ist.
Kurios, dass wir eine Sammelausgabe derselben auf Englisch bei Rebellion erleben, dem Mutterschiff von 2000 AD.
Das kommt einem Ritterschlag gleich, denn HIER haben alle großen Namen von Simon Bisley und Brian Bolland bis zu Dave Gibbons und Jamie Hewlett veröffentlicht.


Und das sind unsere Hauptfiguren: Ein Roboter, der das fette Riesenschwert schultert, und sein Kompagnon Skull, der ab und an als Aufklärer und Datenbank zum Einsatz kommt.
Ein ungleiches Duo (oder Anderthalbuo, kicher), das unermüdlich durch eine öde Wüste zieht, oft auf einem futuristischen Bike.
Was die beiden da suchen, bleibt unklar. Der Weg scheint das Ziel, so formuliert es der Roboter: „Wenn ich immer in dieselbe Richtung laufe, muss ich doch irgendwann am Ziel ankommen, oder?“
Also erleben wir kleine Episoden, angesiedelt in einer postapokalyptischen Welt, jedoch ohne „Worldbuilding“. Was hier geschieht, wird nicht erklärt.
Wir begleiten den Träger des Riesenschwerts und wissen nicht mehr als er (oder Skull).
Unser Robotheld verfügt immerhin über einen moralischen Kompass, denn eine umherziehende Kriegsmaschine möchte er aufhalten:


Was als Konfrontation beginnt, löst sich rasch in ein friedliches Jeder-geht-seines-Weges auf.
BIG-ASS SWORD ist kein gefälliger Genrecomic, sondern unterläuft unsere Erwartungshaltungen.
Der Roboter macht sich keinen Stress, er kann Sachverhalte auch mal stehenlassen oder aussitzen. Ich frage mich, ob Butzbach damit einen bissigen Kommentar auf die aggressive Natur des Menschen transportieren möchte.
Menschen existieren in dieser Welt nicht mehr, halt, doch: Im Kapitel „On the Hunt“ steht der Roboter einer Jägerin bei, die von gefährlichen Uma-Hunden gehetzt wird.


Als die Frau sich als Räuberin entpuppt, die die Uma-Spezies auszurotten droht, macht der Schwert-Bot kurzen Prozess mit ihr.
Der Dialog lässt keine Zweifel daran, dass der Mensch sich an der Natur vergriffen hat und mal wieder sein eigener größter Feind ist.
Das ist eine faustdicke Message, die ich aber erst bei der Zweitlektüre richtig bemerke. BIG-ASS SWORD ist so flüssig, schick und unterhaltsam, dass ich es nicht als moralisierend empfinde.
Man darf solche Passagen auch mit schwarzem Humor lesen, wie überhaupt das Dargestellte erst dramatisch aufgebaut wird, um oft lakonisch zu verpuffen.
In folgendem Beispiel umfahren Skull und Robot einen Hinterhalt, die Handlung schwenkt für einige Momente auf die dämlichen Fallensteller:


Schauen Sie, wie schön Butzbach die Pointe inszeniert: Er legt ein großes, stummes Panel in den Hintergrund und platziert drei kleinere obenauf.
Im wenigen Worten begreifen wir die Tragik dieser drei Chaoten und haben durchaus Mitleid, wenn die Eisenträger schattenwerfend niederregnen.
Jedes Kapitel übrigens präsentiert sich (Sie werden es bemerkt haben) in anderer Farbgebung, was diesen Comic sehr attraktiv macht, wie ich finde.
Ein Ambiente wie ARZACH
Abschließend komme ich zum größten Kompliment, das ich dem Werk machen kann: Ich fühlte mich an ARZACH erinnert.
Ein einsamer Ritter, unterwegs in einer befremdlichen Umgebung, erkundet diese Welt und stößt auf rätselhafte Dinge – das ist in etwa, was Moebius uns damals vorgesetzt hat.
Butzbach erweitert diese Prämisse um tatsächliche Begegnungen und Dialoge, sein Team-up mit Skull und echte Handlungsstränge (s. die erwähnte Uma-Episode).
Eigentlich sehr anders, aber: Die nichterklärende Erzählhaltung ist dieselbe. Und das Setting. Und auch das Artwork im weiteren Sinne. Denn ohne Moebius und seinen stilistischen Einfluss gäbe es einen Big-Ass-Part moderner Comics nicht!
(Wer sich genauer über ARZACH und den frühen Moebius informieren möchte, kann auf YouTube diesen langen Clip von Comic Dojo abrufen, der viele Seiten zeigt und auch die Wirkungsgeschichte erläutert.)


Man kann dem Ganzen vorwerfen, dass es etwas wenig sei. Ein dünnes Bändchen, flott weggelesen. Immerhin sind es 90 Seiten, die aufgrund der lockeren Erzählstruktur jedoch tatsächlich kaum mehr als die Prämisse und erste Eindrücke präsentieren. Trotzdem schön!
Auf jeden Fall macht es Lust auf mehr. Woran ich leider zweifle, denn was soll ich Ihnen sagen? Deutsche Comickreative – es bezahlt sie niemand!
Butzbach macht sein Geld (soviel ich weiß) mit exquisitem Modellbau, bitte studieren Sie dafür seine Webseite „Hangar67“.
Der Künstler vertreibt drei weitere Arbeiten in Albumstärke über TheNextArt Chemnitz, wo auch jede Menge andere Independent-Comics erscheinen.

Für BIG-ASS SWORD wenden Sie sich ans Internet, mein Bonner Comicladen hatte den Band sogar im Print vorrätig.
Ich linke Ihnen die Suchseite dort, darunter finden Sie auch Butzbachs Beiträge für Comichefte aus dem Weissblech-Verlag!
Auf Instagram präsentiere ich einen blätternden Einblick ins Werk, würde es aber nicht als Big-Ass-Reel bezeichnen.