Mars macht mobil, Ares bringt Bares

DC schickt die idealistische WONDER WOMAN auf die Leinwand

Die erste Szene des Films ist die schlimmste: Bei einem Kampftraining fliegen, wirbeln, sausen Dutzende Amazonen durch die Luft, als wär’s ein digital animierter Cirque de Soleil. Ach, du grüne Leuchte! Das kann ja heiter werden. Gottlob enthält sich der Restfilm derart überbordenden Computerzaubers.

Die Action und Effekte in WONDER WOMAN sind mir immer noch zu „hypertroph“, wie ich gerne sage. Ausufernd, übertrieben, unglaubwürdig. Aber hey, es ist ein Comicfilm. Und hielte man ihn an, ergäben die Standbilder exakt die Panels eines modernen Superheldencomics. Ich bin da kein Fan von, aber so isses halt. Ein Blockbuster ist schließlich kein Kammerspiel, mein Gemecker entbehrt der Grundlage.

Die gute Nachricht: Abseits des Actionkrawalls funktioniert dieser Film. Gute Schauspieler, eine feine Regie und ein kompetentes Drehbuch machen WONDER WOMAN sehenswert.
Comickenner freuen sich, dass aus dem Konzept der 1940er-Jahre auch eine böse Widersacherin Eingang in den Film gefunden hat: Dr. Maru, hier auch Dr. Poison genannt (der war eigentlich ein Mann, da hat man was fusioniert, egal).

What’s wrong with your face, Giftgasparfümeurin?

Überraschend hingegen, dass die Handlung zur Zeit des Ersten Weltkriegs (konkret 1918) spielt.  Die Figur war bekanntermaßen ein  Geschöpf des Zweiten Weltkriegs. Ich persönlich begrüße das, weil ich a) keine Nazi-Bösewichte mehr sehen kann und b) glaube, dass man ausweichen musste, denn sonst hätte der „Bossgegner“, also Mars alias Ares (Gott des Krieges), unweigerlich Adolf Hitler sein müssen. So kann man einen „General Ludendorff“ benutzen, der allerdings einen perfekten Nazi gibt. Im Grunde haben sie es geschafft, einen Erste-Weltkriegs-Film mit Nazis zu machen. Arrgh.

Ist das ein Schwert in Ihrem Kleid oder freuen Sie sich nur, mich zu sehen?

 

Handlung in einem Satz: Der bruchgelandete Steve Trevor bringt Kunde vom Krieg zu den Amazonen, Wonder Woman begleitet ihn nach Europa, um dort Ares (Gott des Krieges™) zu stellen, zu besiegen und der Menschheit Frieden zu bringen.

Schützengraben: Wonder Woman goes over the top!

Die ehemalige „Miss Israel“, Gal Gadot, ist nicht nur erstaunlich hübsch, sondern trägt diesen Film mit entschlossener Aufrichtigkeit. Gute Wahl. Im Englischen hat sie allerdings einen leichten Akzent. Nicht so einverstanden bin ich mit Chris Pine als Captain Steve Trevor, Wonder Womans Lover. Der ist mir zu straight, da fehlt mir eine Nuance Lässigkeit.
Kollege Cordemann (vom Blog „Popkulturelle Differenzen“) regte an, wie schön es gewesen wäre, hätte man statt Pine (auch schon bei ENTERPRISE) den famosen Eddie McClintock besetzt – auch der ein Modellathlet, aber mit sowas von Schalk im Nacken (war die Seele der Mysteryserie WAREHOUSE 13). Das hätte die humoristische Note, die sich in WONDER WOMAN findet, nochmal gepusht. Und noch mehr Fallhöhe fürs Finale geschaffen. Schade, aber lassen wir das Träumen …

Schön allerdings, dass hier „was geht“ zwischen Diana und Steve. Eine romantische Liebesnacht in einem frisch befreiten Dörfchen hinter der belgischen Grenze, dezent angedeutet.

Des Weiteren freut man sich an guten Nebenrollen. Danny Huston ist der herrlich grimmige Ludendorff, auf der Gegenseite agiert als britischer Kriegsminister der bewährte David Thewlis. Drei schräge Sidekicks sind ein Indianer, ein Schotte und ein Algerienfranzose (kein Witz), von denen man gern mehr gesehen hätte. Hervorgehoben sei noch Lucy Davis (SHAUN OF THE DEAD), die eine exzellente Etta Candy abliefert!

Gestatten, Etta Candy, mein Händedruck überträgt Kalorien.

Und da wir hier im Internet sind, kann ich Ihnen zum Schluss ein paar bewegte Bilder präsentieren: Dieser erste deutsche Trailer zeigt viel von der Dynamik zwischen Diana und Steve (und transportiert auch den Humor dieser speziellen Beziehung).

Dieser zweite Trailer konzentrierte sich mehr auf die Action und Dianas Mission.

Beide zusammen vermitteln einen hübschen Eindruck des jüngsten DC-Films, der – unser Fazit – charmante Darsteller in knackiger Regie aufbietet. WONDER WOMAN hat Herz, ist kurzweilig und nicht kitschig. Natürlich ist er dramaturgisch nach Formel gestrickt, aber deswegen heißen diese Filme auch „Blockbuster“.

Wer mehr über die Comickreation Wonder Woman erfahren möchte, sei auf die bis November laufende Ausstellung im Cöln Comic Haus hingewiesen. Jeden Samstagnachmittag, vielleicht sehen wir uns da auf einen Plausch über Feminismus im Comic! :- )

The Good, the Bad and the Indianer!

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