Jetzt im Kino: AQUAMAN

Es wird Zeit, die DC-Drehbuchautoren aus ihrem Kerker in Disneyworld rauszulassen. Und den Herrschaften mal feste Nahrung zukommen zu lassen. Denn was sie da zusammendeliriert haben, spottet jeder Beschreibung. Auf Kurzform gebracht: AQUAMAN  ist ein durchgeknalltes Disney-Märchen.

Dabei hat DC eigentlich nichts mit Disney zu schaffen. Doch übertrumpf dieser Film locker jeden Disneyfilm an Kitsch und Klischiertheit. Malen Sie sich den übelsten Unterwasserschmonz und die abgedroschensten Meeresklischees aus – Sie sind noch lange nicht bei AQUAMAN. Sie glauben mir das wahrscheinlich nicht, aber für diesen Film greift der Begriff ‚over the top‘ zu kurz.

Mit Delfinen schwimmen, in Wracks tauchen, Plastikmüll an den Küsten, Tsunami-Wellen, Karibikstrände, Unterseeboote, Fischschwärme, Lavaschlote, Hochseestürme, leuchtende Quallen, Wale, Schildkröten, Seepferdchen, antike Münzen, Krabben, Meerjungfrauen-Outfits, Atlantis, Hafenbars, Mantarochen, Wasserhosen, Muscheln, Leuchttürme, Schatzkarten, Piraten, Haie, selbst Hologramme aus Wasseralles ist in AQUAMAN!

Und natürlich Dreizack-Duelle! Der neue, nasse Scheiß in der Kampfsportchoreografie! Dreizacke gibt es in Silber oder Gold, leider nur aus Metall. Ich erwarte für etwaige Fortsetzungen auch welche mit Laser, also Lichtdreizacke und gerne auch einen riesenhaften Kugelfisch, den Todesfisch uuuuuuund … Warum sag ich das?

Schauwert satt

 

Weil AQUAMAN über weite Strecken „STAR WARS unter Wasser“ ist (die Schwimmfahrzeuge, die Laserstrahlen, die Geräusche, die Stormtrooper, äh, Schwimmtrooper), dann ist es auch UNSERE ERDE, es ist kurz INDIANA JONES, dann kriegt es sogar noch einen Touch von KING KONG.
Und wenn sie durch Sizilien laufen, schwant einem, die Darsteller könnten jetzt auch singend in ein Musical wie MAMMA MIA ausbrechen.

Türsteher im Bikini Bottom Club: ohne Dreizack kein Einlass.

 

Eins muss man AQUAMAN lassen: Dieser 135-Minuten-Schinken ist in keiner Phase langweilig, sondern bietet Attraktion um Attraktion auf. Auch wenn die mitunter albern sind.

Sehen Sie Willem Dafoe, wie er so tut, als ob er einen Hammerhai reitet! Sehen Sie Nicole Kidman, wie sie groteske Kostüme trägt! Sehen Sie Dolph Lundgren, wie er mit rotgefärbten Haaren unter Wasser reden kann! Sehen Sie Nicole Kidman, wie sie jünger als ihr Sohn aussieht!

Sie hatten einen UBER-Hai bestellt?

It’s good to be the king!

 

Achso, die Story! Aquaman wird Aquaking. So, peng, dankeschön.

Dabei hilft ihm tatkräftig die kleine Meerjungfrau, die kesse Prinzessin Meera (Amber Heard). Hauptdarsteller Jason Momoa sieht hauptsächlich tätowiert aus und wird von der Kamera immer wieder als schlingeliger Badass in Szene gesetzt. Ab und an steht er atemberaubend breitbeinig im Bild, sodass man ihm in die Klöten tröten könnte, ohne dass er Zeit zu reagieren hätte.
Sein Gegner ist sein eigener Halbbruder Orm (Patrick Wilson), der möchte ‚Ocean Master‘ werden und einen Krieg gegen die Landbewohner führen.

Merke: Ocean Master trumpft König von Atlantis trumpft Meerjungfrau trumpft Bademeister. Holen Sie sich unser AQUAMAN-Quartettspiel!

Tonnenweise Merch am Start, aber wer will schon das T-Shirt eines Helden, der mit Fischen spricht?
Dies übrigens jahrzehntelang der hämische Vorwurf aus der Comicszene, die Aquaman nie recht ernst nehmen wollte.
Na, jetzt aber oder was?! Toi toi toi dafür.

Die beste Szene des Films spielt allerdings genau darauf an: Der Schüler Arthur (Aquaman) wird im Aquarium des Bostoner Zoos von zwei Mitschülern gemobbt, die ihn beim Kommunizieren mit den Fischen beobachten. Daraufhin lässt Artur mal eben ALLE Fische vor der Scheibe Spalier stehen und böse gucken!
Der Film hat einige, handabzählbar wenige, große Momente, die leider untergehen in den unzähligen quatschigen Augenblicken. Zum Beispiel:

Aquaman besteht sein Duell mit dem Wächter des Superdreizacks, holt sich seine königliche Attributwaffe und durchschreitet den Wasserfall – und erscheint mir nichts dir nichts im goldglänzenden Aquaman-Kostüm! Wie angezaubert.
Huch. Hatte er die ganze Zeit in seinem Bart versteckt. Wahrscheinlich, andere Erklärung habe ich nicht.

Der Schalk der Sieben Meere

 

Ich lade Sie ernstlich dazu ein, den Film als Komödie zu betrachten (ein Effekt, der sich nach einer Stunde spätestens aber auch von selbst einstellen sollte).
Es ist dabei höchst diskutabel, wie ernst DC ihren AQUAMAN nimmt!
Es wirkt sehr nach unfreiwilliger Komik, dann aber gibt es eine Reihe von Szenen, die offensichtlicher Slapstick sind: der Unterwassersöldner, der seinen Kopf nach Wasser ringend in die Kloschüssel steckt; der Monsterhelm des Piraten; und haben sie – für eine Sekunde im Bild – den trommelnden Oktopus in der Kampfarena bemerkt? Jahaha!

 „Release the Kraken!“

Habe ich mehrfach aus meinem Sitz heraus gegrölt, wobei ich leider nicht ganz erhört wurde. Am Schluss kommt noch ein Monsterviech aus den Untiefen des Meeres, das aber kein echter Kraken ist. Schade. Dafür sehr drollig: die Bewohner des Grabens, die in Hundertschaften über das Fischerboot herfallen und mir selige GREMLINS-Reminiszenzen bescherten. Kleine Monster.

Geile Riesenkrabbe, wo sich Spongebob seinen Schwamm einnässen täte!

 

Regisseur James Wan war übrigens in vielfacher Funktion an den Filmen der SAW- und INSIDIOUS-Reihe beteiligt (die ja zum Horrorgenre gehören); der Mann kann offenbar alles. Jedenfalls macht er’s einfach.

Also, mein Fazit:
Ich hab Rotz und Salzwasser gelacht, und das ist bei AQUAMAN ja durchaus angebracht.

Ich finde: Der größte DC-Erfolg seit BATMAN HÄLT DIE WELT IN ATEM.

 

Gutes Double-Feature übrigens!

Entschuldigung:

 

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