Der Comic-Cowboy

Nachruf auf Jack Davis (1924–2016)

 

Jetzt ist er tot, der letzte Vertreter des „New Trend“ im Comic. EC prägt diesen Begriff 1950, um der Leserschaft stolz ihre Qualitätscomics zu präsentieren. Jack Davis gehört vom Start weg zum Team, und neben seiner natürlichen Begabung für grafisches Erzählen dürfte ein Grund für seine Anstellung sein, dass er schnell sein kann. Davis ist der schnellste Zeichner in der EC-Redaktion, und Geschwindigkeit ist bekanntlich keine Hexerei (auch solche hat Davis illustriert), sondern Zeit und Geld in der hektischen Comicindustrie. Also werkelt der Neuling in vielen Genres: Horror, Krieg, Crime, Humor.

Ein Meister von Licht und Schatten ist Davis schon von Beginn an. Im kollegialen Klima der EC-Mannschaft jedoch verfeinert Davis seine Kunst von Jahr zu Jahr. Am bekanntesten sind wohl seine Arbeiten für MAD seit 1952 (hier zeichnete er die allererste Geschichte – und seine letzte erscheint 1989). Wobei man nie vergessen darf, dass Davis MAD 1957 verlässt (um seinem Freund Harvey Kurtzman zu dessen Magazinen zu folgen). Erst 1965 kehrt er zurück und wird mit offenen Armen empfangen. Dieser Mann ist einfach nicht zu ignorieren, und unvergesslich ist er sowieso.

Ich erinnere mich, als kleiner Junge eine Davis-Geschichte im deutschen MAD gelesen zu haben. Es ging um die abseitige Sportart Wrestling, das wir Deutschen seinerzeit „Catchen“ nannten. Auch wenn ich nicht wirklich verstand, worum es da ging, so brannten sich mir die Bilder unauslöschlich ins Hirn: Diese herrlich blöden Fratzen! Diese süffisanten Visagen! Diese ineinander verknäulten Menschen! Diese brachiale Action! Diese sagenhafte Dynamik! Diese komplett übertriebenen Groteskerien!

Das ist die Funny-Art von Jack Davis. Einzigartig, unnachahmlich, unverkennbar. Die ihn auch als Gestalter von Filmplakaten, Zeitschriften-Covern und Werbeanzeigen zu einer nationalen Berühmtheit werden ließ.

Zum Schluss verrate ich Ihnen noch, in welchem Genre der brillante Jack Davis am meisten brilliert hat: Western. Kein Wunder, denn Davis war ein bekennender Südstaaten-Junge aus Atlanta in Georgia. Seine Liebe zum Western deutet sich an in seinen Bürgerkriegs-Beiträgen in TWO-FISTED TALES und FRONTLINE COMBAT, aber wer einmal die ‚original art‘ zu „Abe Lincoln“, „The Vengeful Sioux“, „The Last of the Mohicans“ oder „Betsy!“ (sozusagen die ernste Version seines „Lone Stranger“ aus MAD!) gesehen hat, kriegt seinen Mund so bald nicht wieder zu.

Wir verbeugen uns vor Jack Davis, der schnellsten Feder im Westen.

 

Besonderer Davis-Spaß: Realität und Verklärung des „Wilden Westens“

 

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