Auf zum Schauraum Dortmund!

Insider haben es schon mitbekommen: In Dortmund haben diverse Institutionen in einer bemerkenswerten Kooperation Geld in die Hand genommen und (direkt gegenüber vom Hauptbahnhof) eine Galerie für Comics eröffnet.
Link zum Schauraum Dortmund HIER.

Der Schauraum soll auf drei Jahre finanziert sein und alle halbe Jahre mit einer neuen Ausstellung bespielt werden. Auf die Entenhausen-Schau „Ente süß sauer“ folgt nun die zweite mit dem ebenso schmissigen Titel „Nimm das, Adolf! – Zweiter Weltkrieg im Comic“.

Als Kurator hat man den besten Mann für den Job gewinnen können: Alexander Braun. Der bildende Künstler ist seit Kindertagen Comicfan und widmet sich seit einigen Jahren ausschließlich dem Arrangement und der Organisation von Comicausstellungen sowie der Produktion umfassender Kataloge, die bei Braun stets das Angebot abrunden.

Alexander Braun vor der Vitrine mit deutschem Propagandamaterial.

 

Brauns letzte Projekte waren allesamt Meilensteine des Comicjournalismus: Braun verantwortete die Gesamtausgaben von LITTLE NEMO und KRAZY KAT (farbige Sonntagsseiten) im Taschen Verlag, war der Kopf hinter den „Pionieren des Comic“ in der Kunsthalle Schirn in Frankfurt, Kurator der großen „Comics, Mangas, Graphic Novels“-Schau in der Bundeskunsthalle Bonn sowie der Autor einer Betrachtung über Comics und den Mythos des Westens („Going West“).
(Um nur seine aktuellsten Meriten aufzuzählen…)

Jetzt also „Nimm das, Adolf!“ im Schauraum Dortmund – eine kleinere, aber umso feinere Arbeit. Braun hat alle seine Kontakte spielen lassen und eine globale Sammler- und Künstlerszene um Hilfe gebeten.

Die Mühe, die es Braun gekostet hat („Ich war fünf Monate lang sieben Tage die Woche jeweils 14 Stunden damit beschäftigt“) sieht man der Ausstellung an (wenn man denn weiß, wie man schauen muss). Alle Exponate sind logisch im Raum verteilt und mit Bilderlegenden versehen, die keine Wünsche offenlassen.

Jedes Stück ist informativ und erhellend, man lernt eine erstaunliche Menge (nicht nur über Comics, sondern vielmehr über die künstlerischen, politischen und kommerziellen Absichten dahinter.
„Nimm das, Adolf!“ ist eine wunderbar organische Schau, durch die man staunend gleitet.

Das hat man in Deutschland noch nicht gesehen.

 

Gezeigt werden nicht nur orginalgroß reproduzierte Cover und interessante Sonntagsseiten, sondern natürlich auch etliche Originalkunstwerke sowie einige Magazine, Taschenbücher und Hefte.

Die Ausstellung beginnt mit US-amerikanischer Propaganda gegen Hitlerdeutschland, führt dann über die Antikriegs-Comics von EC zur Fortschreibung und popkulturellen Vereinnahmung des Zweiten Weltkriegs (Exploitation inklusive!) bis hin zu modernen Aufarbeitungen der Nazigräuel in historisch orientierten Graphic Novels.

Original von Émile Bravo, vom Künstler persönlich zur Verfügung gestellt.

 

Auf diesem Instagram-Video blättere ich durch den exzellenten Ausstellungskatalog, der nur im Schauraum zum Selbstkostenpreis erhältlich ist. Aus Copyrightgründen ist der Schauraum streng nichtkommerziell, der Eintritt ist frei!

 

 

Es gibt keine Entschuldigung, diese Schau zu verpassen! Von Köln aus beispielsweise bringt Sie ein Regionalexpress der Bahn in ca. 90 Minuten dorthin.
Bitten checken Sie die Homepage für Führungen (zu günstigen 3 Euro), die sind hier dringend angeraten. Aus dem simplen Grund, dass sich versteckte Historie auf diesen Seiten präsentiert. Spannend, was sich da an Hintergrundinformationen entfaltet!

Das Team der Guides ist gründlich gebrieft worden, zur Pressekonferenz am 11. Oktober erzählte Alexander Braun persönlich Geschichte und Geschichten zu den Exponaten.

Die Themen Propaganda und Faschismus sind weiterhin virulent – und diese Comics vermitteln auf vielfältige Weise, wie diese Mechanismen wirken und auch durchschaut werden können. Empfohlen für alle Altersstufen!

Detail aus einem Originalstrip von Milton Caniff.

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